Mixtape mit 16

orwo-fei-lh-60Auf Twitter hatte der @lifeofmarco die Idee ein virtuelles Tape zusammenstellen, mit Musik die man hörte als man 16 war. 2×45 Minuten. A und B Seite.

16. Das war 1990-1991 und markierte zugleich einen großen Einschnitt in mein Leben. Im Sommer ’91 schloß ich meine Schule ab und wenige Monate bevor ich 17 wurde, verließ ich das Elterliche Heim. Ich kehrte danach (abgesehen von diversen Heimatbesuchen) nur noch 2-Mal, für 15 Monate (Zivildienst) und 6 Monate zurück. Soweit also der private Background. Über das was Geschichtlich zwischen 1989 und 1991 passierte müssen wir hier glaub ich nicht reden.

Meine Musik nahm ich mit diesem Gerät hier auf. Einem RFT EAW Audio 145. Es kostete damals knapp 2.000 DDR-Mark wenn ich mich recht erinnere. Ich bezahltes von ersparten und dem Geld das ich zur Jugendweihe erhielt.

Aufgenommen hatte ich meist mit einer Kassette von ORWO. 90er Kassetten des DDR-Herstellers waren schwer zu bekommen und natürlich auch teurer als die 60er. Diese hatten aber zumindest den Vorteil, dass man Komplette Alben ganz gut in A und B Seiten aufteilen/aufnehmen konnte. Es gab zwar in der DDR auch ganze Alben in Form von Kassetten und LP’s zu kaufen, es war jedoch recht teuer und das Taschengeld zu wenig.

Also saß ich ständig vor dem Radio und nahm mir die ganzen Sachen auf. Meist von Bayern 3 und DT-64. Das DDR-Jugendradio hatte zum Beispiel eine eigene Sendung nur für Heavy Metal die sich „Tendenz Hard bis Heavy“ nannte. Und eine Sendung, glaube täglich war das, wo dann immer eine Seite eines Albums in voller Länge, und ohne Unterbrechung, gespielt wurde. So kam man ganz günstig an komplette Alben heran.

Die 80er lagen also hintern uns, und vor uns, im Nachklapp betrachtet, ein, wenn nicht gar mehrere Jahrzehnte mit teils grauenhafter Chartmusik. Es wird für meinen Geschmack eher immer schlimmer als Besser. Manch Song besteht dann nur noch aus „Uppsi, Tippsi, Tralala, Uuuu und Aaaaa“, unterlegt mit Beats und verkauft sich Millionenfach. Auch waren die 90er das Jahrzehnt für mich in dem Metal und Hard Rock sich besonders schwer taten. Geradezu in einer Sinn und Identitätskrise steckten. Wenn beide Genres nicht eher sogar tot waren. Die Schuld schiebe ich hier Nirvana zu. Metal war out, Grunge war in. Erst Hammerfall mit „Glory to the Brave“ (1997) hauchten dem ganzen neues Leben ein.

Accept und Udo Dirkschneider hatten sich getrennt, dann waren sie wieder zusammen, aber die Alben waren furchtbar. Die Scorpions produzierten nach „Crazy World“ fast nur Schrott der 1999 in der Scheibe „Eye II Eye“ gipfelte. Bon Jovi starteten in das neue Jahrzehnt mit der „Keep the Faith“ Scheibe, und höre seit dem nur noch die alten 80er Sachen der Jungs aus New Jersey. Die einstigen Könige des Speedmetal waren mit den 90ern plötzlich auch nicht mehr so „Speedy“ und das Schwarze Album verkaufte sich wie verrückt. Helloween machten es mit „Pink Bubbles Go Ape“ und „Chameleon“ nicht besser und ich entdeckte die Jungs erst Ende der 90er wieder für mich.

Nie enttäuscht haben mich Europe. Kunststück. Denn nach „Prisoners in Paradise“ 1991, ein starkes Album wie ich auch heute noch finde, löste die Band sich auf und kehrten erst 2004 mit „Start from the Dark“ zurück. Heute machen die Jungs, dank der Tantiemen des einen Gewissen Songs, nur das worauf sie Bock haben. Und das hört, merkt und spürt man.

Begünstigt durch all das in den 90ern, war ich in den 90ern ein Suchender. Hörte mehr Chartmusik, Techno, Trance und, ähm, Dance.

Zurück auf den Pfad des Metal brachte mich 1997 (in etwa) eine Second Hand CD die ich für 5 DM erwarb. Es war Grave Digger’s „Heart of Darkness“. (Hier „The Grave Dancer“ aus dem Album, gespielt in Rio zum 25-jährigen Bandjubiläum.) Es war eigentlich genau zum richtigen Zeitpunkt. Kurz später brachten die Jungs aus Gladbeck den ersten Teil ihrer bekannten Schottland-Triologie heraus. Im nachhinein Fluch und Segen für die sehr sympathischen Herren. Und auch andere alte Heroen fanden alsbald in die Spur zurück. Und es kamen neue. Jene wie Hammerfall. Der Metal lebte wieder. Jedenfalls für mich. Rock on. \m/

 A-Seite (42:48)

01  AC/DC – Thunderstruck (1990) 4:52
Nach dem eher mäßigen „Blow Up Your Video“ meldeten sich die Australier mit „The Razors Edge“ wieder zurück.  Und wie! Danach wurden die Abstände zwischen den Alben immer größer. Und ja. AC/DC gehören einfach dazu.

02 Accept – Metal Heart (live; 190) 5:25
Gehört zum Livealbum „Staying a live“ das 1985 in Japan, Osaka, aufgenommen und 1990 veröffentlicht wurde. Stellvertretend dieser Song. Immer noch eines der besten Livealben für mich, weil es so unfassbar viel Spass und gute Laune macht.

03 Judas Priest – Painkiller (1990) 6:06
Der Titeltrack des Albums steht auch symbolisch für das Album. War und bin nie großer Priest-Fan gewesen. Aber sie waren nie besser als auf diesem Album. Und wir hörten es morgens immer ganz laut über die Anlage des Bruders eines Schulkumpels, bevor wie in die Schule gingen.

04 Manowar – Kings of Metal (1988) 3:45
Was der Vogel sagt. Hail to the Kings. Kam zwar 88 raus, aber ich kam erst später zu Manowars Überwerk.

05 Sodom – Ausgebombt (1989) 3:04
Ich bin ehrlich. Alles andere als Sodom war mir damals einfach zu hart. Aber Sodom gehören auf jedes Tape auf dem Metal drauf ist.

06 Europe – Girl from Lebanon (1991) 4:20
Der Song „Girl from Lebanon“ stammt aus der eingangs erwähnten „Prisoners of Paradise“.  Mein Lieblingssong der Platte. Als Europe sich damals trennten traf mich das sehr hart. Das Combeback freute mich umso mehr. Eine der wenigen Bands denen ich wirklich immer treu blieb. (Und im Oktober wird ein 40-jähriger in der ersten Reihe des Circus Krone völlig steil gehen wenn er Europe erstmals Live sehen kann)

07 Scorpions – Hit Between the Eyes (1990) 4:33
Vom Album „Crazy World“. Scorpions at its best. Leider hatte  und hat das Album unter „Wind of Changes“ zu leiden. Ist aber immer noch eines des besten Scorps-Alben für mich.

08 Guns n‘ Roses – Partience (1989) 5:56
Das Album „G N‘ R Lies“ auf dem „Patience“ drauf ist, war für mich der Pausenfüller zwischen „Appetite for Destruction“ und den beiden „Use Your Illusions“ Alben. Was für eine Band. Vermutlich wären G N‘ R heute die größte „Rockband aller Zeiten“. Wenn es Axel nicht gegeben hätte. Ich durfte sie 1993 im Waldstadion sehen. Ich werde das Konzert nie vergessen. Nich wegen ihnen. Sondern wegen Brian May als Vorband. Es war ja kurz nach Freddies Tot. Bei „Love of my Life“ heulte Brian Rotz und
Wasser. Bei „We Will Rock You“ bebte das Stadion. Mehr ging an dem Abend nicht.

Und das führt mich zum Opener meiner

B-Seite (44:05)

01 Queen – The Show must go on 4:31
„Innuendo“. Quasi die letzte Platte mit Freddie. Und auch das nur in Teilen. Aber ein Song der zeigt was für einen Bombast Queen produzieren konnten.

 02 Sinead O‘ Connor – Nothing Compares 2 U 5:10
Der Song darf natürlich nicht fehlen. Kaum ein anderer Song Bestimme Radio und Charts zu der Zeit. Sieht man mal von „Wind of Change“ ab.

03 Roxette – It mus have been love  4:18
Vermutlich könnte man aus der Zeit von 89-91 noch drölfzig andere Songs von Roxette auflisten. Ich hatte sie alle!

04 Vaya Con Dios – What’s a Women  3:56
Dani Klein! Was ein Song!

05 Phil Collins – Another Day inParadise  4:47
Ein Lied das mich heute noch nachdenklich stimmt wenn ich den Text höre.

06 Pet Shop Boys – So Hard  3:56
Ich tanzte mit ihr zu dem Song in der Schuldisko.  Es wurde nie was aus uns.

07 Enigma – Sadness  4:16
Michael Cretu und Sandra. Gregorianische Gesänge. Das muss reichen.

08 Lil Louis – French Kiss  5:16
Der Song, bei dem ich immer Angst hatte meine Mutter könnte ihn hören wenn sie sich meinem Zimmer nähert.

09 Chris Isaak – Wicked Game  4:46
Was ein Film: „Wild at Heart“ Und einer der wenigen von David Lynch der mir gefällt. Und natürlich ein tolles Album „Heart Shaped World“.

10 Stefan Waggershausen & Viktor Lazlo – Das Erste Mal Tat’s Noch Weh 3:19
Tja. Ja auch das hatte ich auf Tape. Höre es gerade zum ersten mal wieder. Toller Kitsch. Aber eine Zeile mit viel Wahrheit.

Weitere #mixtapemit16 finden sich unter anderem beim Spielbeobachter, auf der Luschenelf vom Vogel,  beim Tim und beim Felix.

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7 Gedanken zu “Mixtape mit 16

  1. Hurra! Kommentare schreiben!

    Die Single von French Kiss hatte ich auch und dazu die gleichen Befürchtungen. Und sein wir mal ehrlich: das Lied war scheiße und wurde nur aus dem „hihi, da wird gestöhnt“-Grund gekauft, oder? 😉

  2. Judas Priest und die Pet Shop Boys haben es knapp nicht auf meine Kassette geschafft und wären auf der zweiten verewigt. Queen kam bei mir erst später.

    Interessant finde ich, daß Du Bayern 3 gehört hast. War es der einzige Westsender, den Ihr empfangen konntet? Bei uns war Bayern 3, bis auf die Gottschalk-Jahre eher so bäh.

    • Ben ich bin mit Bayern 3 quasi groß geworden. Es mag zwar für euch bäh gewesen sein, für uns war es halt etwas anders. Mein Onkel hörte in seiner Jugend immer Bayern 3 und auch meine Cousinen wenn ich bei ihnen an der Grenze zu Hessen auf Ferien war. Aber ja klar, Gottschalk spielte zumindest auch bei mir eine Rolle. Aber ich hörte auch gerne NDR 2 (?) mit Carlo von Tiedemann.

  3. Pingback: Mixtape mit 16: Seien Sie tapfer! | Ansichten aus dem Millionendorf

  4. Pingback: Mixtape mit 16 | Teilzeitblog der Teilzeitborussin

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